Intern. Hyperthermie-Zentrum
Mühlenweg 144
26384 Wilhelmshaven
Tel.: 04421-77414-0
Fax: 04421-77414-10
E-Mail: info@gisunt.de

 

Systemische Krebs-Mehrschritt-Therapie – Synergismennutzung von u. a. Überzuckerung, Hyperthermie und Sauerstoffanreicherung.

 

Grundlagen der sKMT

Die systemische Krebs-Mehrschritt-Therapie wird in Deutschland gegenwärtig vorzugsweise als eine die Standardtherapien ergänzende Behandlungsweise von Krebspatienten, die sich im Stadium konventionell unkontrollierbarer Progression befinden, eingesetzt. Grundlage ihres 1965 von dem Dresdner Wissenschaftler Professor Manfred von Ardenne (1907 – 1997) angegebenen Konzeptes ist die gleichzeitige Anwendung der synergistisch wirkenden Schritte

 

extreme Ganzkörperhyperthermie (Überwärmung)
+ induzierte Hyperglykämie (Überzuckerung)
+ relative Hyperoxämie (Sauerstoffanreicherung),


die ggf. durch chemo- und/oder strahlentherapeutische Schritte sowie weitere adjuvante Maßnahmen zur Steigerung der Therapieselektivität ergänzt werden. Da extreme Hyperthermie für eine systemische Krebstherapie zu wenig selektiv ist, werden die Krebszellen im Hyperglykämieschritt gegen Hyperthermie sensibilisiert. Dies geschieht durch Glukoseinfusion. Es kommt zur Stimulierung der Glykolyse der Tumorzellen und damit zu einer selektiven Übersäuerung der Krebsgewebe und Hemmung der Blutmikrozirkulation in diesen.

 

Hyperthermie und Hyperglykämie wirken dabei synergistisch und führen die angestrebte Labilisierung und Schädigung der Krebsgewebe im Organismus herbei. Zeitgleich wird durch den Hyperoxämieschritt eine Stabilisierung der gesunden Gewebe durch eine an die Belastung bei Extremhyperthermie angepasste Sauerstoffgabe in Verbindung mit dem hohen Angebot des Energieträgers Glukose gewährleistet. Somit entsteht die erforderliche Therapieselektivität und damit auch die entsprechende Toleranz des Organismus gegenüber der extremen Ganzkörperhyperthermie und eventuellen weiteren Therapieschritten (z. B. Chemo- und Strahlentherapie).

 

sKMT und Kombinationen in der Onkologie

Seit dem Start der klinischen Anwendung der sKMT Ende 1990 und der Kombination mit Chemotherapie 10/1991 in der von Ardenne Klinik Dresden wird die Therapie in zunehmendem Maße in Deutschland und weltweit eingesetzt. Eine Remissionsrate von sogar 75 % wurde an 112 Patienten nach sKMT-Vierfachbehandlung im frühen Krebsstadium beobachtet (Prof. Yokoyama, Tokio). Thermochemotherapie bei operierten Nierenkrebspatienten (ohne Metastasen) erbrachte bei 94 % der Patienten eine 5-Jahres-Überlebensrate – bei alleiniger Operation waren es dagegen nur 27 % (Dr. Krasny, Minsk). Diese Erfahrungen zeigen, dass ein Einsatz der sKMT im frühen Krebsstadium sinnvoll ist. Die im Rahmen einer Phase-I-Studie in der von Ardenne Klinik gefundene Therapieverträglichkeit konnte vom Virchow-Klinikum Berlin im Ergebnis einer Phase I/II-Studie bestätigt werden.

 

Wichtigste Nebenwirkungen sind Hautirritationen als Folge der Wärmestrahlung (meist verursacht von Mikrozirkulationsstörungen, durch Erfahrung der Therapeuten weitgehend reduzierbar) und Nachfieber (38 - 40 °C bei etwa 38 % der Patienten), möglicherweise ein Zeichen einsetzender therapeutischer Wirkung. Sehr wichtig ist die Erfahrung, dass bei Kombinationen mit herkömmlichen Krebstherapien wie Chemo- und Strahlentherapie die Gesamtwirkung ein Mehrfaches der Summe der Einzelwirkungen beträgt. Ein Zeichen für den Stellenwert der Hyperthermie ist die Tatsache, dass sich seit Jahren mehrere nationale und internationale Fachgesellschaften mit diesem Thema im wissenschaftlichen Erfahrungsaustausch beschäftigen.

 

Extreme Ganzkörperhyperthermie

Eine extreme Ganzkörperhyperthermie von etwa 42 °C Körperkerntemperatur wird heute im Wesentlichen mittels dreier verschiedener Systeme realisiert:

 

  • Extrakorporale Bluterwärmung: Das Blut des Patienten wird aus einem großen Blutgefäß herausgeführt, außerhalb des Körpers in einem Wärmetauscher erwärmt und wieder in den Blutkreislauf zurückgeführt. Dieses nur noch selten angewandte Verfahren ist vergleichsweise aufwendig und nicht komplikationsarm. (Gerät: u. a. IDT, USA).

 

  • Langwelliges Infrarot: Der Patient wird liegend in einer Röhre hoher Luftfeuchtigkeit, deren Wände eine konstante Temperatur von etwa 60 °C aufweisen, durch Infrarot-C-Strahlung erwärmt. Der Kopf befindet sich dabei außerhalb der Wärmeröhre. (Geräte: Enthermics, Aquatherm, USA).

 

  • Wassergefiltertes Infrarot: Der Patient wird auf einem Netz, in einem Folienzelt liegend, mit wassergefilterter Infrarot-A-Strahlung erwärmt. Diese kurzwellige Wärmestrahlung (0,76 – 1,40 μm) kann tief in die Haut, bis in den Kapillarbereich eindringen und wird so vom Blut im gesamten Körper rasch verteilt. Der Kopf befindet sich außerhalb des Zeltes. Durch die Strahlersteuerung ist die Körpertemperatur gut führbar. (Gerät: IRATHERM, Deutschland).

In der gisunt®-Klinik wird deshalb für die Ganzkörperhyperthermie die auf Infrarot A basierende Technik eingesetzt. Damit ist ein hohes Maß an Patientensicherheit gewährleistet.

 

Wie wird die Therapie durchgeführt?

Die sKMT besteht aus der eigentlichen Haupt- und einer ergänzenden Rahmenbehandlung. Letztere kann je nach Befindlichkeit des Patienten sowohl ambulant als auch stationär durchgeführt werden und besteht im Wesentlichen aus einer Immun-/ Oxygenierungstherapie. Der Umfang dieser Maßnahmen und ihre zeitliche Anordnung hinsichtlich der Hauptbehandlung richtet sich sowohl nach den Ergebnissen der Startuntersuchung und der Befindlichkeit des Patienten als auch nach dem geplanten Prozedere der Hauptbehandlung, insbesondere, ob eine Thermochemotherapie (Kombination von sKMT und zytostatischer Chemotherapie) geplant ist und welche Zytostatika eingesetzt werden sollen.
Auch können in der Zeit vor und nach der Hauptbehandlung einige Zyklen Regionaler Tiefenhyperthermie zur Unterstützung der Bemühungen in der Hauptbehandlung zum Einsatz kommen.


Die Hauptbehandlung auf der Anlage IRATHERM® 2000 selbst dauert etwa fünf Stunden und erfolgt unter leichter Narkose (Neuroleptanalgesie). Während der ersten Stunde werden die Infusionen (Glukose, Elektrolyte) und die Sensoren für die Überwachung (Temperatur, Kreislaufparameter, Sauerstoffsättigung) angelegt. Daran schließt sich die etwa 1,5-stündige Aufwärmphase an, während der ggf. auch die Applikation von Zytostatika erfolgt. Nach dem folgenden thermischen Hochplateau von etwa 90 Minuten mit einer stabilen Körpertemperatur von 42,0 – 42,3 °C wird der Energieeintrag zurückgenommen, und die Abkühlphase beginnt. Eine etwa 24-stündige Intensivüberwachung auf der Wachstation folgt nach der Umlagerung. Der Arzt wird mit Ihnen den genauen Ablauf besprechen.

 

Zur Wirkung der sKMT

Von 12/1990 bis 12/1995 wurden in der von Ardenne Klinik Dresden insgesamt 679 sKMT, zu 82 % als Thermochemotherapie, an Patienten im Stadium konventionell unkontrollierbarer Tumorprogression durchgeführt. Von 490 nach UICC auswertbaren Einzeltherapien wurden 110 mal Tumorrückbildung (vollständig: CR, teilweise: PR bzw. geringfügig: MR) und 220 mal ein Stop der Progression (NC) beobachtet. In 160 Fällen konnte die Progression nicht aufgehalten werden. Die Grafik zeigt Ergebnisse bei Tumorentitäten mit n ≥ 15 Behandlungen.

systemische Krebs-Mehrschritt-Therapie nach von Ardenne

 

Erläuterung der Abkürzungen: PT = Prostata-Ca., OV = Ovarial-Ca., UP = unbekannter Primärtumor, CX = Cervix-Ca., MA = Mamma-Ca., NE = Nieren-Ca., RC = Rektum-/Kolon-Ca., MM = malignes Melanom, PA = Pankreas-Ca., SS = Sarkome außer Knochen- und Weichteilsarkomen, GA = Magen-Ca.

zurück